GRETCHEN 89 ff.von Lutz Hübner |
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| Spielzeit: vom 12. November 2003 bis 15. Februar 2004 (Weitere Vorstellungen Juni 2004 im PFL Oldenburg) |
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| Den "Faust" brauchen Sie hier weder zu kennen, noch zu mögen, denn nicht Goethe steht im Mittelpunkt, sondern andere Theatergötter - die natürlichen Angstgegner Regie und Schauspiel. Gretchen 89 ff. ist eine Liebeserklärung an das Theater, ein urkomischer Spaß für alle und ein tiefer Blick hinter die Theater-Kulissen: Im rasanten Wechsel proben die unterschiedlichsten Regisseure und Schauspielerinnen die "Kästchenszene" aus Goethes Faust I, Reclamheft, Seite 89 folgende: | |
Margarete mit einer Lampe.Es ist so schwül, so dumpfig hie, Sie macht das Fenster auf. Und ist doch eben so warm nicht drauß. Es wird mir so, ich weiß nicht wie Ich wollt´, die Mutter käm´ nach Haus. Mir läuft ein Schauer übern ganzen Leib Bin doch ein töricht, furchtsam Weib! Sie fängt an zu singen, indem sie sich auszieht. Es war ein König in Thule Gar treu bis an das Grab, Dem sterbend seine Buhle Einen goldnen Becher gab. Es ging ihm nichts darüber, Er leert ihn jeden Schmaus; Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus. Und als er kam zu sterben, Zählt er sei´n Städt´ im Reich, Gönnt´ alles seinen Erben, Den Becher nicht zugleich. Er saß beim Königsmahle, Die Ritter um ihn her, Auf hohem Vätersaale, Dort auf dem Schloß am Meer. Dort stand der alte Zecher, Trank letzte Lebensglut, Und warf den heil´gen Becher Hinunter in die Flut. Er sah ihn stürzen, trinken Und sinken tief ins Meer, Die Augen täten ihm sinken, Trank nie einen Tropfen mehr. Sie eröffnet den Schrein, ihre Kleider einzuräumen, und erblickt das Schmuckkästchen. Wie kommt das schöne Kästchen hier herein? Ich schloß doch ganz gewiß den Schrein. Es ist doch wunderbar! Was mag wohl drinne sein? Vielleicht bracht´s jemand als ein Pfand, Und meine Mutter lieh darauf. Da hängt ein Schlüsselchen am Band Ich denke wohl ich mach´ es auf! Was ist das? Gott im Himmel! Schau´, So was hab´ ich mein´ Tage nicht gesehen! Ein Schmuck! Mit dem könnt´ eine Edelfrau Am höchsten Feiertage gehn. Wie sollte mir die Kette stehn? Wem mag die Herrlichkeit gehören? Sie putzt sich damit auf und tritt vor den Spiegel. Wenn nur die Ohrring´ meine wären! Man sieht doch gleich ganz anders drein. Was hilft euch Schönheit, junges Blut? Das ist wohl alles schön und gut, Allein man läßt´s auch alles sein; Man lobt euch halb mit Erbarmen. Nach Golde drängt, Am Golde hängt Doch alles. Ach wir Armen! |
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